Discounter- und Supermarkt-Kaffee ist weit verbreitet und wird gerne verkauft. Allerdings hat der gemahlene, vakuumverpackte Kaffee nicht immer den besten Ruf. Wir lassen 11 Kaffees von 18 Personen blind verkosten und sagen Ihnen, welche Sorten gut und weniger gut abgeschnitten haben. Außerdem bekommen Sie weitere wichtige Erkenntnisse und Beobachtungen aus dem Test.
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Aldi Nord, DM, Edeka, Lidl, Netto, Penny und Rossmann – an einem schönen Nachmittag hat die CHIP-Redaktion einige Supermärkte und Discounter besucht und deren Kaffeeregale geplündert. Elf Sorten sind in den Rucksack gewandert, denn wir wollten wissen: Welcher ist der beste? Und: Ist Discounter-Kaffee wirklich so schlimm wie sein Ruf? Für diesen Test habe wir 18 Personen literweise Kaffee blind verkosten lassen. Die Ergebnisse sind für einige Anbieter die Krönung, und für andere ganz schön bitter.
In diesem Beitrag stellen wir Ihnen die Ergebnisse aller elf Kaffeesorten vor. Wichtig ist anschließend die Erklärung des Testverfahrens und die darauf folgenden Beobachtungen aus dem Test, denn: Es kann gute Gründe geben, dass Ihnen der Testsieger nicht schmeckt und der Letztplatzierte Ihr neuer Lieblingskaffee ist. Wir gehen außerdem auf die Unterschiede zwischen vorgemahlenem Kaffee und solchem aus ganzen Bohnen ein. Zuletzt versuchen wir die Frage zu beantworten, wie viel Geld Sie im Supermarkt für Kaffee ausgeben sollten.

Zusammenfassung der Ergebnisse
Ziemlich eindeutiger Sieger ist der Barissimo Gold von Aldi Nord. Dieser gewinnt im Median, im Durchschnitt und die Abweichung vom Mittelwert war auch noch sehr gering, hier waren sich also die Testpersonen sehr einig über den Wert. Man muss allerdings sagen: Alle geprüften Kaffeesorten schließen mit Punktzahlen zwischen 4 und 7 ab. Die Werte von 4 bis 6 waren für die Testpersonen als “okay” definiert, und nur vier Kaffees haben es gerade so zur 7 bzw. 6,5 geschafft: Barissimo Gold von Aldi Nord, Cafèt Gold von Netto, Dallmayr Prodomo und der DM Bio Kaffee Klassik. Letztendlich gehen alle Sorten als trinkbar durch, auch wenn es natürlich hier und da Fans und Hater gibt. Auf welcher Seite der Medaille Sie selbst landen würden, kann Ihnen letztendlich nur Ihre Zunge sagen.
Testpersonen, die ihren Kaffee mit Milch trinken, haben für den schwarzen Kaffee wenig überraschend fast immer schlechtere Punktzahlen vergeben. Es gibt Ausnahmen, aber diese sind nur wenig nennenswert, da die Punktzahlen trotzdem eher gering ausfielen. Beispielsweise fanden Milchtrinkende den Melitta Auslese einen halben Punkt besser als der Rest, ebenso den Gut & Günstig Gold von Edeka.
Unschön: In der Packung des Melitta Auslese Klassisch haben wir einen, in Edeka Herzstücke Selection sogar mehrere Holzspäne gefunden. Weiterhin empfanden wir die Verpackungen vom Ja! Röstkaffee Kräftig und dem Magico Auslese von Penny als besonders lästig, da sich hier der Aufkleber nur mit Mühe und in Einzelteilen entfernen ließ. Bei allen anderen Packungen ließ er sich leicht abziehen.

Vorgemahlener Kaffee oder Kaffeebohnen?
Gemahlener Kaffee hat einige Vorteile, die alle auf eine Sache hinauslaufen: Bequemlichkeit. Sie müssen den Kaffee nicht selbst mahlen, das spart Zeit, Nerven und Geld, denn Sie müssen keine Mühle kaufen. Auch über den richtigen Mahlgrad müssen Sie sich keine Gedanken machen, denn hier lässt Ihnen der Hersteller keine Wahl. Gemahlener Kaffee ist üblicherweise vakuumverpackt und dadurch sehr lange haltbar – oft ein bis zwei Jahre. Sie können den Kaffee darüber hinaus einfrieren, um ihn noch länger zu verwahren. Und nicht zuletzt nimmt gemahlener Kaffee weniger Platz weg als ein Beutel Bohnen mit dem gleichen Gewicht.
Vorgemahlener Kaffee verliert jedoch im Geschmack, und zwar immer. Kaffee sollte idealerweise direkt nach dem Mahlen gebrüht werden, denn die durchs Mahlen freigelegten, aromatischen Stoffe verflüchtigen sich schnell bei Luftkontakt. Spätestens nach ein paar Tagen in Pulverform schmeckt auch der feinste Kaffee bestenfalls noch mittelmäßig. Sobald Sie also das 500-Gramm-Päckchen Kaffeemehl öffnen, tickt die Uhr. Sie sollten den Kaffee dann luftdicht umverpacken, eventuell auch in Teilen einfrieren, um zumindest etwas vom Aroma zu erhalten. Eine 500-Gramm-Packung hält bei einer größeren Tasse pro Tag (250 ml) nämlich etwa einen Monat durch. Spätestens ab der zweiten Woche wird das Pulver nur noch als zweckmäßige Koffeinzufuhr herhalten können.
Weiterhin ist es für Kaffeehersteller ein Leichtes, durchs Vormahlen etwaige Produktionsfehler zu verschleiern. In einem Bohnenbeutel lassen sich verbrannte Bohnen, übermäßig viele “Ohren” (hohle Bohnen), Größenunterschiede, schwitzige Bohnen und mehr recht schnell erkennen. Sieht der Beutelinhalt nicht lecker aus, ist er es meistens auch nicht. Kaufen Sie den Kaffee allerdings schon gemahlen, haben Sie keine Chance mehr, Kaffeedetektiv zu spielen – alle Beweise wurden vernichtet. Auch Fremdkörper fallen hier weniger auf. In einigen Kaffeepackungen haben wir plattgewalzte Holzstücke gefunden – gefährlich ist das dank Filterzubereitung erst einmal nicht, und auch in der 60-Euro-pro-Kilogramm-Bohnentüte kann mal ein Zweiglein durch die Auslese rutschen. Aber wenn wir schon ohne Aufwand ein halbes BILLY-Regal im Beutel finden, wollen wir gar nicht wissen, wie viel Sägemehl durchs Vormahlen unerkannt bleibt.

Supermarktkaffee polarisiert
Der Durchschnitt kann als Wertung beim Geschmackstest natürlich wichtige Aussagen vertuschen. Wenn fünf Personen einem Kaffee 10 von 10 Punkten geben, und fünf Personen nur 1 – hat der Kaffee dann eine 5 verdient? Insofern betrachten wir nicht nur den Median (Erklärung weiter oben) und den Mittelwert, sondern auch die Abweichung vom Mittelwert. Die größte Einigung unter den Proband*innen gab es beim Cafét Gold von Netto. Dieser hat sich solide 6,25 von 10 Punkten geholt und die Abweichung betrug weniger als einen Punkt. Aldi Nords Barissimo Gold braucht ebenfalls nicht um seine vergleichsweise sehr guten 6,75 Punkte fürchten, denn hier ist die Abweichung nur 1 Punkt. Ähnlich einig waren sich die Prüfenden beim DM Bio Kaffee Klassik und beim Edeka Herzstücke Selection. Zwei Kaffees waren jedoch besonders polarisierend: Während einige den Edeka Gut & Günstig mit hohen 8 von 10 Punkten auszeichneten, landete er bei anderen mit 2 Punkten in der Kategorie “ungenießbar”. Die Abweichung betrug hier hohe 2 Punkte – fast so hoch wie beim Bellarom Gold von Lidl. Mit einer Abweichung von 2,13 Punkten und Noten, die fast nur in die Bereiche “Sehr gut” oder “Sehr schlecht” fielen, können wir über diesen Kaffee mit voller Gewissheit sagen: Sie werden ihn entweder lieben oder hassen.
Supermarktkaffee ist emotional
Die meisten Gesamtpunkte für die verkosteten Kaffees tummeln sich im Bereich 4 bis 7. Nur selten wurden höhere Noten vergeben, aber wenn, dann gab es immer eine Gemeinsamkeit: Erinnerungen und Assoziationen. Oft wurden besonders hohe Wertungen mit einer Aussage dieser Art begleitet: “Der erinnert mich an den Kaffee meiner Oma.” oder “Der erinnert mich an meinen alten Pfeifentabak.” Auch ein Kaffee, der nach Aussage eher nach “Zigarette” schmeckte, bekam von der Person eine höhere Bewertung, weil sie gerade mit dem Rauchen aufgehört hat. Geruch und Geschmack in Kombination mit Erinnerungen nehmen immer mächtigen Einfluss auf unsere Wahrnehmung. So eine subjektive Einschätzung ist also vollkommen nachvollziehbar.
Entsprechend gilt auch für diese Klasse an Kaffee: Lassen Sie sich Ihre Vorlieben nicht vorschreiben. Was schmeckt, das schmeckt!
Supermarktkaffee duftet aussagekräftig
Wenn der Kaffee besser geschmeckt hat (Durchschnitt: 6 von 10 oder besser), dann hat das Pulver auch besser als neutral gerochen (über 3 von 5). Es gibt einen Betrüger (Kaffee 10), der leicht überdurchschnittlich im Pulverduft lag und dann im Durchschnittsgeschmack ganz hinten landete. Ähnliches gilt für den gebrühten Kaffee: Nur in einem Fall hat der Duft positiv über den Durchschnittsgeschmack hinweggetäuscht.
Supermarktkaffee ist nicht so sauer wie man denkt
Kein Kaffee erhielt im Durchschnitt eine 4 von 5 bei Säure, nur zwei lagen bei leicht säurelastigen 3,5. Dass Supermarkt- und Discounterkaffee gerne mal als sauer aufgefasst wird, könnte also an der individuellen, heimischen Zubereitungsart liegen. Beispielsweise könnte das Wasser zu schnell durch das Pulver fließen, so dass sich nur die schnell löslichen, säuretragenden Komponenten lösen, während die Bitterstoffe zum Ausgleich keine Chance hatten, ihren Weg ins Wasser zu finden. Hier spielt auch potenziell ein zu grober Mahlgrad rein: Grob gemahlener Kaffee bietet dem Wasser weniger Widerstand und kann zu einem säurelastigen Eindruck führen. Auch besonders kalkhaltiges Wasser kann den Eindruck verfremden. Wir haben für unsere Tests weiches Mineralwasser verwendet, damit möglicherweise unterdurchschnittliches Leitungswasser so wenig Einfluss wie möglich auf den Geschmack hat.

Supermarktkaffee ist bitterer als sauer
Betonter als die Säure fällt die Bitterkeit aus, die oft stärker als die Säure bewertet wurde. Aber auch hier sind die Ergebnisse im Durchschnitt nicht übermäßig: Kein Produkt erreichte im Durchschnitt 4 von 5 Punkten im Bereich Bitterkeit.
Supermarktkaffee ist nicht süß
Alle Testpersonen hatten damit zu kämpfen, bei den geprüften Kaffees eine natürliche Süße ausfindig zu machen. Andere Geschmacksaspekte waren deutlicher im Vordergrund. Süße landete im Durchschnitt gerade einmal bei 2 von 5 Punkten und beim Ausfüllen waren sich selbst bei dieser niedrigen Wertung noch viele unsicher.
Supermarktkaffee macht einen klaren Abgang
Der Abgang ist der bleibende Eindruck des Kaffees. Bleibt er nach dem Schluck im Mund und auf der Zunge? Ein guter Abgang kann das Geschmackserlebnis auch nachträglich noch positiv beeinflussen und die Präsenz des Kaffees verstärken. Auch bei Supermarkt- und Discounterkaffees wurde ein deutlicher Abgang wahrgenommen – das war nur leider nicht bei jedem Kaffee wünschenswert.

Wie viel sollte man für Supermarkt-Kaffee ausgeben?
Die Preisfrage ist bei Supermarkt- und Discounterkaffee keine ganz einfache. Unser Testsieger Barissimo Gold von Aldi Nord kostet nur 6,49 Euro für 500 Gramm, das ist günstig. Auf einer Stufe dahinter stehen aber der Cafét Gold von Netto für 6,49 Euro, der DM-Biokaffee für 7,95 Euro und der Dallmayr für 10,49. Die günstigste Sorte kostete 5,49 Euro und war nur eingeschränkt beliebt. Aber auch höhere Preise sind kein Garant für gute Bewertungen, denn sowohl der Edeka Herzstücke Selection für 7,99 Euro als auch der Melitta Auslese Klassisch für 9,29 Euro haben im Mittelfeld abgeschlossen. Immerhin: Kein höherpreisiger Kaffee muss sich mit einem hinteren Platz zufrieden geben, also bekommen Sie mit höheren Kaufpreisen eine gewisse Sicherheit.
Höherwertiger Kaffee, der Pi mal Daumen bei 15 Euro pro 500 Gramm beginnt, war nicht Bestandteil der Prüfung, aber aus Erfahrung würden wir sagen: Den Preisunterschied schmeckt man.
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